RPA ist tot. So liest man es in jedem zweiten Artikel über KI-Agenten. Die Bots, die Buttons klicken und Felder ausfüllen — das war gestern. Morgen gehört den intelligenten Agenten. Klingt überzeugend. Ist aber falsch. Nicht weil KI-Agenten überbewertet wären. Sondern weil RPA nicht verschwindet. Es wird besser.
Die Totgesagten
RPA hat einen schlechten Ruf bekommen. Zu fragil. Zu wartungsintensiv. Bricht bei jedem UI-Update zusammen. Kann nur stumpf klicken, nicht verstehen. Das stimmt alles — für klassische RPA. Für regelbasierte Bots, die auf Pixel-Koordinaten und CSS-Selektoren angewiesen sind. Aber RPA war nie nur das. RPA war immer die Idee, dass Software menschliche Interaktion mit anderen Software simulieren kann. Und diese Idee ist aktueller denn je.
Was sich wirklich verändert hat
Der Bot klickt immer noch. Aber er versteht jetzt, was er sieht. Computer Vision erkennt Layouts, auch wenn sich das UI verändert. NLP liest unstrukturierte Texte — E-Mails, Briefe, handschriftliche Notizen. Und LLMs ermöglichen es dem Bot, Entscheidungen zu treffen, die früher einen Menschen erforderten: Ist diese Rechnung korrekt? Passt dieser Antrag zu den Richtlinien? Sollte dieser Fall eskaliert werden? Das ist keine klassische RPA mehr. Aber es ist auch kein reiner KI-Agent. Es ist etwas dazwischen.
RPA + KI = Intelligent Process Automation
Wir nennen es Intelligent Process Automation — IPA. Die Kombination aus der Robustheit klassischer Automatisierung mit der Flexibilität von KI. Der Bot interagiert weiterhin mit Systemen, die keine API haben. Legacy-Systeme, Terminal-Anwendungen, Mainframe-Oberflächen — die Realität in den meisten Unternehmen. Aber anstatt bei jeder Abweichung zu scheitern, erkennt der IPA-Bot Änderungen, interpretiert neue Layouts, trifft einfache Entscheidungen und eskaliert intelligent, wenn er unsicher ist.
Wo es hingeht
Die Zukunft gehört nicht entweder KI-Agenten oder RPA. Sie gehört der Kombination. KI-Agenten für die intelligente Entscheidungsfindung. RPA-Komponenten für die Interaktion mit Systemen ohne API. Workflow-Orchestrierung als verbindendes Element. Human-in-the-Loop für die Kontrolle. Die Unternehmen, die heute noch darüber diskutieren, ob sie KI-Agenten oder RPA einsetzen sollen, stellen die falsche Frage. Die richtige Frage ist: Welche Kombination löst mein konkretes Problem?
Fazit
RPA ist nicht tot. RPA ist erwachsen geworden. Es hat gelernt, mit KI zusammenzuarbeiten, statt gegen sie zu konkurrieren. Und in einer Welt, in der 70% der Unternehmenssysteme keine moderne API haben, ist ein intelligenter Bot, der Oberflächen bedienen kann, kein Relikt — sondern eine Notwendigkeit.